Die moderne Hospizbewegung, deren Ziel die Begleitung von
Sterbenden und ihren Angehörigen ist, im Gegensatz und in Abgrenzung
zur Sterbehilfe, nahm ihre Anfänge in den sechziger Jahren
des zwanzigsten Jahrhunderts. Die britische Krankenschwester Cecily
Saunders erkannte, dass es nicht ausreicht, Sterbenden die notwenige
körperliche Pflege zukommen zu lassen.
Sie beschäftigte
sich ausführlich mit diesem Thema, studierte aus diesem Grund
noch Medizin und gründete als Ärztin das erste stationäre
Hospiz, das St.Christopher's Hospice in London.
Von dort ausgehend verbreitete sich der Gedanke des Hospizes, in
dem Sterbende ganzheitlich begleitet werden, schließlich in
allen Erdteilen. Besonders in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts
wurde dieser Gedanke auch in Deutschland aufgegriffen.
Es entstanden
stationäre Hospize (zur Zeit etwa 100); doch trotz dieser Größenordnung
können sie nur einem kleinen Teil der sterbenden Menschen die
nötige Begleitung bieten. Noch immer sterben etwa 60% der Menschen
in Deutschland in Krankenhäusern, 20% in Alten- und Pflegeheimen,
und nur 20% zu Hause. Dagegen zeigen Umfragen, dass etwa 80% der
Menschen, wenn irgend möglich, in vertrauter Umgebung sterben
möchten.
Aus diesem Grund sind in den achtziger und neunziger Jahren des
zwanzigsten Jahrhunderts viele Hospizinitiativen und -Vereine entstanden,
die ambulante Sterbebegleitung anbieten, insbesondere auch für
die Angehörigen, die oftmals mit der Sterbesituation völlig
überfordert sind. Gegenwärtig gibt es in der Bundesrepublik
etwa 950 ambulante Hospizdienste.
Darüber hinaus haben zahlreiche Krankenhäuser sogenannte
"Palliativstationen" eingerichtet (z.Zt. etwa 80), in
denen sterbende Patientinnen und Patienten intensiv begleitet werden,
wie es auf anderen Stationen in der Regel nicht möglich ist.
Dennoch ist es dringend erforderlich, dass Pflegepersonal und Ärztinnen
und Ärzte aller Abteilungen in der Sterbebegleitung aus- und
fortgebildet werden.
Die meisten Hospize und Hospizdienste sind inzwischen den jeweiligen
Landesarbeitsgemeinschaften (LAG) www.hospiz-nrw.de der entsprechenden Bundesländer angeschlossen; die LAG's in
der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG)
www.hospiz.net.
Zahlreiche weitere Organisationen bieten ihre Hilfe bei Koordination,
Beratung und Aus- und Fortbildung in der Hospizarbeit an, wie z.B.
die Internationale Gesellschaft für Sterbebeistand und Lebensbegleitung
e.V. (IGSL) www.igsl-hospiz.de , die Koordinations- und Ansprechstelle für Dienste der Sterbebegleitung
und Angehörigenbetreuung des Landes Hessen (KASA) www.hage.de
, OMEGA www.omega-ev.de
.
In NRW sind dies z.B. die Ansprechstelle im Land NRW zur Pflege
Sterbender, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung (ALPHA),
sowie kirchliche Institutionen (Diakonisches Werk Westfalen (DWW) www.diakonie-westfalen.de
, und verschiedene katholische Dienste.
Inzwischen haben sich vor allem viele kirchliche Hospize dem DWW
als Dachverband angeschlossen. Das DWW lädt jährlich einmal
zum Westfälischen Hospiztag ein, bei dem es sowohl Gelegenheit
zum gegenseitigen Austausch als auch zur Fortbildung gibt.
Jürgen R. Nass