Beim Tod eines Kindes
Sie sagen mir: Anja ist tot. Was ich am meisten befürchtet habe, ist nun eingetreten. Die Bewegungen hatten nachgelassen. Die Herztöne waren nicht mehr vernehmbar gewesen. Ich hatte mich elend gefühlt und hilflos. Mit großen Ängsten bin ich zur Untersuchung gegangen.
Und nun ist es so gekommen: Anja ist tot. Ich kann es noch gar nicht glauben. Sie müssen einen Fehler gemacht haben. Da sind doch noch Spuren von Leben. Ihr muss doch geholfen werden können. Aber dann fühle ich, weiß ich: Ja, es stimmt.
Was in mir gewachsen ist, wächst nicht mehr. Tiefe Traurigkeit befällt mich. Wir hatten uns so auf Anja gefreut.
Wir hatten gewartet, bis alles bereit war. Ganz bewusst hatten wir dieses Kind gewollt. Unser Rhythmus war anders geworden, auch unsere Gespräche.
Ein Drittes war da, geliebtes werdendes Leben, ein Mädchen, sagte der Arzt. Und wir nannten sie schon beim Namen: Anja. So sollte sie heißen, so heißt sie bei uns. Und nun ist schon alles zu Ende. Was wird das für eine Geburt werden, die nur noch Abgestorbenes hervorbringt?
Ich fürchte mich, ich weine, ich suche Werners Hand. Das also müssen wir gemeinsam bestehen: Ein totes Kind in die Erde legen. Werden wir es anschauen können, den Eindruck wahrnehmen eines stillen Gesichts?
Kein Blick, keine Regung, nur Ahnung von einem Leben, das nicht in Erscheinung getreten ist.
Spuren von leise anklopfendem Leben: Werden wir sie bewahren, verstehen,
verwandeln?
Was einem alles durch den Kopf geht, wenn man die Nachricht noch gar nicht glauben kann. Für einen Augenblick ganz weit aufgerissen für Schmerz und Glück.
Und dann die unvermeidlichen Wege - hoffentlich behutsam und in Liebe. Schmerz der sich ertragen lässt und einen
nicht hinwegschwemmt, sondern leben lässt. Auf neues Leben zu?
Petra
Dieser Erfahrungsbericht ist abgedruckt in einem Heft, das die
Vereinigte Evangelisch- Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD)
jetzt in der 3., aktualisierten Auflage veröffentlich hat.
Gute Hoffnung - jähes Ende ist ein 78-seitiges Heft, das
im Auftrag der Fachkonferenz für Seelsorge in Kinderkliniken
und auf Kinderstationen innerhalb der Gliedkirchen der EKD entstand.
Es versteht sich als "Eine erste Hilfe für Eltern, die
ihr Baby verlieren, und alle, die sie unterstützen wollen",
wie der Untertitel lautet. Der seelsorgliche Ratgeber bietet Eltern,
die ein Kind verloren haben, u.a. Hilfen auf dem Trauerweg.
Dieses Heft kann im Lutherischen Kirchenamt, Richard Wagner Str.
26, 30177 Hannover, Telefon: 0511/6261-235, eMail: referatVIII@velkd.de
gegen eine Schutzgebühr von 1 Euro pro Exemplar angefordert
werden.
Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen an Ihrem Wohnort nennt
Ihnen gern die Evangelische Kirche vor Ort / www.ekvw.de , die
Krankenhausseelsorge in den Ent-bindungskliniken / www.krankenhausseelsorge-westfalen.de
oder die Telefonseelsorge.