Forschung

Forschungsprojekt zur Wirksamkeit der
Projektbeschreibung und Zielsetzung

Das Forschungsprojekt erarbeitet die Wirksamkeit von Krankenhausseelsorge bei Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden der Krankenhäuser. Anhand der Praxis sollen Handlungsformen und Wirksamkeit von Seelsorge wissenschaftlich evaluierend erarbeitet und aufgezeigt werden. Als Ziel werden Kenngrößen entwickelt zur Messung der Wirksamkeit von Krankenhausseelsorge bei allen am Seelsorgegeschehen Beteiligten: Patient*innen, Angehörigen und Mitarbeitenden (Ärtz*innen, Pflegepersonal etc.) in den Krankenhäusern als „klassische Empfänger*innen“ von Krankenhausseelsorge. Ebenso soll aber auch die Sichtweise der Seelsorgenden selbst zur Sprache kommen sowie der Einfluss auf die Institutionen als strukturelle Gebilde mit einbezogen werden. Am Ende wird ein umfassendes Bild darüber entstehen, wie Krankenhausseelsorge wirkt und wo und wodurch Veränderungen bei allen Beteiligten erzielt werden. Hierbei werden die unterschiedlichen Kliniken und Felder, in denen Krankenhausseelsorge betrieben wird, untersucht.

Das Projekt ist ein Kooperationsprojekt der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (des Lehrstuhls Praktische Theologie der Evangelischen Fakultät mit Prof. Dr. Traugott Roser) und der Konvente der Krankenhausseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).
Abschließendes Ziel ist, die Krankenhausseelsorge als systemischen und institutionsbezogenen Ansatz in ihrer Wirksamkeit bei allen Beteiligten und sämtlichen Arbeitsfeldern aufzuzeigen.
Wie erfolgt die Kontaktaufnahme zwischen allen Beteiligten (SeelsorgerIn, PatientIn, Angehörige, Institution…)? Wie werden Informationen weitergegeben und ausgetauscht? Wie wirkt Krankenhausseelsorge und bei wem? Dabei wird Krankenhausseelsorge als natürlicher und genuiner Bestandteil der Versorgungsqualität der Krankenbehandlung ausgewiesen. Auch erfolgt dies im Rahmen des Konzeptes von „Spiritual Care“. Es soll ein Zusammenhang zwischen dem institutionsbezogenen Ansatz der Krankenhausseelsorge und der professionellen Zusammenarbeit der Krankenhausseelsorge im Behandlungsprozess gezeigt werden.

Insgesamt ist das Projekt dreiphasig organisiert. Wir arbeiten zunächst mit qualitativen Methoden, später quantitativ.

Phase I (Dez. 2017-März 2019): Fallberichte

In einem ersten Schritt wurde die Sichtweise der Krankenhausseelsorger*innen erfasst. Hierfür haben wir eingesandte Fallberichte von Seelsorger*innen aus EKvW und EKiR gesammelt und qualitativ ausgewertet. Dabei knüpften wir an die Arbeit des European Research Institut for Chaplaincy in Healthcare (ERICH) an der katholischen Fakultät der Universität Löwen in Belgien (www.chaplaincyresearch.eu) an. ERICH wiederum ist Teil des European Network of Health Care Chaplaincy (ENHCC) (https://www.enhcc.eu/). Eine Initiative von ERICH und ENHCC ist, über Fallberichte und Fallstudien Einblick in die Realität heutiger Krankenhausseelsorge in unterschiedlichen europäischen Ländern zu gewinnen. Die Berichte werden von KrankenhausseelsorgerInnen aus den Konventen der EKiR und EKvW erstellt und eingesandt. Diese werden anhand von festgelegten Formalia (Anleitung zur Erstellung eines Fallberichtes) verfasst, wie sie von George Fitchett und Steve Nolan (George Fitchett, Steve Nolan (Hg.), Spiritual Care in Practice. Case Studies in Health Care Chaplaincy, London/Philadelphia 2015) entwickelt wurden.
Die Fallgeschichten sollen die Realität von Krankenhausseelsorge heute abbilden. Unter dem Impuls „Das gibt es im Altenheim/ Krankenhaus heute so nur in der Seelsorge! Eine Geschichte aus meiner Praxis, die etwas verändert hat (bei mir, beim Gegenüber, bei der Institution…) und wie es dazu kam“ fungieren diese als nicht-repräsentativer Zugang zur Beschreibung des Forschungsfeldes und grenzen den narrativen Raum ein. Vor allem werden hierdurch das Selbstverständnis der Seelsorgenden in Krankenhäusern gezeigt und ihre Professionsstandards ermittelt. Sie sind Selbstbeschreibung der Arbeit von Seelsorger*innen. Hierbei wird eine eher typische Begebenheit – nicht unbedingt das Exzeptionelle – beschrieben, eine Geschichte aus der Praxis, die etwas verändert hat. Dies ist nicht einfach ein Verbatim, sondern eine Fallgeschichte (dies kann, muss aber ein solches nicht enthalten), die aufzeigt, wie die Krankenhausseelsorgende sich selbst in ihrer Arbeit einschätzen und wie sie ihre Wirksamkeit als Seelsorger*in bewerten.

Um an entsprechende Berichte zu gelangen, wurde ein Aufruf an alle Seelsorgenden der in Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen von EKvW und EKiR gestartet mit der Bitte, entsprechende Berichte in anonymisierter Form an eine eigens hierfür eingerichtete E- Mailadresse zu senden (selbstverständlich hat nur eine sehr begrenzte Anzahl an Personen Zugang zu diesem Account, um die Vertraulichkeit zu gewährleisten). Insgesamt konnten wir 39 Berichte aus den beiden Landeskirchen auswerten. Als Auswertungsmethode fungierte die soziologische Methode der Grounded Theory. Auf diese Weise wurde eine aus den Daten herausgearbeitete und in den Worten der Teilnehmenden verankerte erste Theorie entwickelt.

Phase II (August 2019-Anfang 2020): Narrative Interviews

Im zweiten Schritt werden aktuell Interviews mit den „Empfänger*innen“ von Krankenhausseelsorge geführt. Patient*innen, Angehörige und Mitarbeitende unterschiedlicher Professionen werden interviewt. Die Gespräche laufen narrativ ab, da auf diese Weise eine mögliche Lenkung der Gesprächspartner*innen durch die Interviewerin auf ein Minimum reduziert und auch hier wieder die Teilnehmenden selbst zu Wort kommen sollen. Sobald eine ausreichende Anzahl (10-12) an Gesprächen geführt wurde, werden die Transkripte dieser Interviews nach qualitativ-soziologischen Prinzipien ausgewertet.

Der Kontakt zu den Gesprächspartner*innen kam durch die Krankenhausseelsorger*innen der beiden Konvente der EKvW und EKiR zustande. Besondere Beachtung bedarf hier natürlich die Erlaubnis der Interviewten zur Datenweitergabe durch die Seelsorgenden. Daher ist eine schriftliche Einverständniserklärung zur Übermittlung der Kontaktdaten an die Interviewerin nötig. Ein Vordruck wurde mit dem Aufruf versandt.

Phase III: Statistische Erhebung

Zuletzt werden Zeitkontingente und Kontaktzahlen in einem bestimmten Zeitraum statistisch erfasst. Diese Phase ist zum jetzigen Zeitpunkt noch in der vorläufigen Planung.


Für Sammlung, Verwaltung und Auswertung der Fallberichte und Interviews sowie abschließende Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten beiden Phasen als Dissertationsprojekt ist die Doktorandin Nika Höfler zuständig.

Nika Höfler

Kontakt:
Tel: 0251-83-22541
nika.hoefler(at)uni-muenster.de
foks(at)uni-muenster.de

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